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Roulette Portal — Historik des Spiels: Roulettekönig Benno Winkel

Dienstag, 08. September 2009

Der Millionengewinner

Es ist eine traurige Tatsache, dass in der Reihe der Berufsspieler, die das Roulette nachweislich hervorgebracht hat, kaum einer von ihnen vor dem Neid und der Missgunst der Gesellschaft verschont bleibt. Den meisten wird von Mathematikern und Physikern, die Möglichkeit zu gewinnen, glattweg abgesprochen; sie werden sowohl von den Betreibern des Spiels als auch von der spielenden Masse, von der Wissenschaft und von den Medien, von der Legislative, der Judikative und der Exekutive der Rechtsstaatlichkeit, sowohl von Gegnern der Szene, als auch von in ihr Involvierten, geächtet.

Paradoxerweise wirft man ihnen vor, dass sie die Gewinnträchtigkeit ihrer Satztechniken nicht “…nachweisen…” Dies ist eine nicht nachvollziehbare Logik, denn wer hinsichtlich langjähriger Erfahrungen die Fähigkeit des Dauergewinns im Roulette hart erarbeitet hat, ist nicht so dumm, dieses Wissen “…mir nichts, Dir nichts…” der Öffentlichkeit preiszugeben. Wenn Spieler ihr Leben mit Roulette finanziert haben und dieser Umstand als Nachweis ersehen werden kann, ist es müßig, ihnen die Fähigkeit eines solchen Nachweises abzusprechen, als dass diese auserwählte Gruppe nicht den Willen hierzu hat.

Nicht anders, als seinen Leidgenossen, erging es dem legendären Benno Winkel, der Mitte des vergangenen Jahrhunderts zu den Roulettegrößen zählte, dessentwegen Casinos während seiner Anwesenheit vor Ort sogar die Häuser verschlossen. Auch Winkel hatte im Lauf der Jahre seines Ruhms schliesslich mehr Neider und “…Kletten…”, die an sein Vermögen gelangen oder die sich seiner Spielschematik bedienen wollten, als dass er das Leben eines “…normalen…” Berufstätigen hätte führen können. Auch Winkel bezahlte den Preis, den die Größen seiner Branche im Scheinwerferlicht der Publizistik ereilte.

Die Missgunst seiner Mitmenschen stellte ihn sogar noch an den Pranger, als die Gewinne allgemein bekannt waren und als sein Ruhm als Roulettekönig begann, sich in ganz Europa wie ein Lauffeuer zu verbreiten. 1954 wegen Betrugs vor Gericht zitiert, versuchten Erfolglose, die mit den ihnen verkauften Eckdaten des Wissens von Benno Winkel nichts anzufangen wussten, durch Mathematiker und Gerichtsgutachter hinter dessen letzte Geheimnisse zu kommen. Sie versuchten unter dem strafrechtlichen Druck eines drohenden Gefängnisaufenthalts, der auf Grund der Präzidenz der Rechtslage und im Zusammenhang mit dem Bekanntheitsgrad des Betroffenen recht ausgedehnt ausgefallen wäre, die Bekanntgabe des Geheimnisses des Dauergewinns aus Benno Winkel herauszupressen. Indes gelang ihnen dies nicht, weil Winkel an Stelle der Preisgabe seiner Einsatzschematik die Erfolgsträchtigkeit seiner Spielweise an Hand von Zahlenmaterial erbringen konnte, die er dem Gericht als Beweismittel vorlegte. Da unter den Zeugen, die dies bestätigen konnten, sich die Prominenz ihrer Zeit befand und sogar honorige Amtskollegen der Richter hierunter waren, wurde Benno Winkel freigesprochen mit der richterlichen Begründung, er habe das Wissenschaftliche seines Vorgehens und die wahrscheinlichkeitsmathematische Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen können. Seinem Siegeszug, im Ruf des erfolgreichsten Roulettespiels der Nachkriegsjahre zu stehen, stand nichts mehr im Wege. Hierüber berichtete das führende Politmagazin Der Spiegel, das im Jahr 1954 Winkels Spielerkarriere zur Titelstory machte.

Winkel hat, wie alle großen Roulettisten, nicht als Einzelspieler seinen Ruhm erlangt.

Seinerzeit gab es eine Reihe professionell agierender Spielergruppen, die den Spielbanken in erheblichem Umfang zusetzten und sie reihenweise in den Ruin spielten. Zu ihnen zählen unter anderem die Brunnen-Gruppe, das Syndikat Montgomery, das Jagger Konsortium, die mathematische Fakultät Earle, die österreichische Puchgruppe, die Strategienschmiede Walters/Hamilton, die südfranzösische Liga, die Grabber Barns & Blike, die russische Formation von Zoppot, die Elitespielerschaft Leigh, die italienischen Kesselspezialisten um Dr. Jarecki, der Morton-Block …und -last not least- das Team des Benno Winkel.

Sie alle eint die Tatsache, dass die wirklich großen, dauerhaften Gewinne nur im Teamspiel erreichbar sind. Spielteams bedürfen um ihrer Existenz willen einer Gruppe von Spielern, die außer ihren fachlichen Qualifikationen auch charakterliche Eigenschaften besitzen, von welchen der Zusammenhalt und das Erreichen des Ziels der Gruppe abhängig ist. Sein Millionenvermögen erreichte Benno Winkel -wie auch die anderen seiner Klasse-  erst mit Zusammenstellung eines Teams, dass in den großen Casinos ihrer Zeit auf “…Beutezug…” ging. Über die genannten, bekannten Spielerformationen hinaus gab es eine Reihe (teilweise erfogreicher) Nachahmer, die der Öffentlichkeit nie bekannt wurden. Der für die Casinos mit der Zeit gefährlich gewordene Druck, der von diesen Formationen mit ihren gezielten Angriffen auf die Roulettetische ausging, führte schliesslich zu einigen Regeländerungen zum Schutz der Spielbanken.